In unserem Rundbrief Nr. 41 (Sept. 2021), S. 11-12, ist der nachstehende Artikel erschienen:

Clara Mager die jüngere, verheiratete Gaisberg

In seinem Aufsatz „Clara Mager-Gaisberger“ (Blätter f. Württ. Familienkunde Band 9, Heft 6 (1943), Seite 98-108) erwähnt Hansmartin Decker-Hauff auf Seite 102 den Grabstein der Äbtissin Maria Magdalena Gaisberger im Kloster Kirchheim am Ries und er löst die auf diesem Grabstein befindliche Wappen-Ahnenprobe auf, die auch für Maria Magdalenas elf Geschwister gilt. Wenig bekannt scheint zu sein, dass sich im gleichen Kloster eine Grabplatte für Clara Gaisberg erhalten hat, von der es hier eine gute Aufnahme gibt: http://www.epigraphica-europea.uni-muenchen.de/bilder/D07403.jpg . Die Inschrift lese ich so:

„Anno d[omi]ni 1554 den 9 february ist
mit todt abgange[n] die erentreich vn[d]
tugentsam fraw Clara weiland des
Edlen vnd ernveste[n] Jorg gaisbergs
Eliche hausfraw selig die alhie begrabe[n]“

Die Grabplatte zeigt heraldisch rechts das Gaisberg-Wappen und heraldisch links einen Bären auf einem Dreiberg, also das von Decker-Hauff (nach Schmid) beschriebene Wappen der ehrbaren Familie Mager aus Vaihingen an der Enz. Des Untervogts Jörg Gaisbergs Witwe Clara verkaufte 1539 ein Haus am Markt in Schorndorf, laut Mitteilung von Martin Klöpfer gab „Jörg gaißbergs witwe“ dort noch 1545 10 Gulden Türkensteuer (und ihre Magd 2 Kreuzer). Laut Ahnenliste Stawitz-Dollmann, Bd. 2 (1987), S. 23 war Claras Tochter Maria Magdalena Gaisberger 1543 Nonne und ab 1553 Äbtissin im Kloster Kirchheim am Ries. Sie amtierte dort bis 1560 und starb 1569. Offensichtlich hat Maria Magdalena Gaisberg(er) ihre betagte und verwitwete Mutter Clara spätestens in ihrer Zeit als Äbtissin (ab 1553) zu sich nach Kirchheim am Ries geholt, wo die Mutter 1554 starb und beerdigt wurde. Von dieser Clara Mager-Gaisberg d. J. stammen nicht nur die Dichter Hauff, Mörike und Uhland und die Freiherren von Gaisberg-Helfenberg ab, sondern sicherlich auch eine Reihe unserer Vereinsmitglieder, für die dieser Hinweis vielleicht nützlich ist, zumal die Vaihinger Familie Mager seit Decker-Hauffs Zeiten anscheinend noch nicht näher erforscht wurde (oder vielleicht doch?). Die gedruckte Vaihinger Biographie habe ich nicht zur Hand (dort sind einige Namensträger Mager erwähnt, ebenso im Online-OFB Vaihingen). Als Claras Vater wird ein Ludwig Mager in Vaihingen vermutet, als ihre Großmutter eine Clara (?) Mager geb. Trutwin (?), Belege für diese Vermutungen Decker-Hauffs kenne ich nicht. Nachweisen lässt sich in Vaihingen allerdings ein Richter, Spitalmeister und Bürgermeister Trutwin Mager, der seit 1501 zahlreiche Urfehdebriefe besiegelte und der zeitlich als Bruder oder Vetter der Clara in Betracht kommt. Interessant ist, dass ein Schultheiß Trutwin Mager im Jahr 1470 - als einziger Namensträger Mager - 2325 Gulden in Vaihingen versteuerte (der einige Einträge vorher genannte Michel Scholl war sogar noch wohlhabender), die Steuerliste ist hier online verfügbar: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-1321236 (A 54 a St. 17, der Mager-Eintrag hier auf Blatt 19r). Zeitlich kann dieser Schultheiß Trutwin Mager von 1470 auch der Großvater Claras gewesen sein, aber ob dann seine Frau eine geborene Trutwin war, möchte ich doch bezweifeln. Die Mager kamen schon seit der Mitte des 14. Jh. in Vaihingen an der Enz vor (siehe auch die online verfügbaren Württembergischen Regesten). Ich selbst werde nicht weiter nach den Mager forschen, aber für die heutigen Nachkommen wäre das doch eine lohnende Aufgabe. Auch in den ältesten Universitätsmatrikeln von Tübingen, Heidelberg usw. sind mehrere Namensträger Mager aus Vaihingen zu finden.

Jens Th. Kaufmann

Dieser Beitrag erschien zuerst in unserer Mailingliste VFWKWB-L am 16. Juli 2017.

Ergänzende Anmerkungen des Autors: Trautwein Mager erscheint 1470/71 als Untervogt in Vaihingen in Pfeilstickers NWDB unter § 2990 (mit Angabe seines Vermögens von 2325 Gulden aus der Steuerliste von 1470). Pfeilsticker schreibt dann noch "Ist des Gerichts 1523.", womit aber eher der seit 1501 urkundende jüngere Richter, Spitalmeister und Bürgermeister Trutwin Mager gemeint ist, der ja zeitlich kaum noch mit dem wohlhabenden Vogt von 1470 identisch sein kann (eher waren beide Vater und Sohn). Karl-Otto Bull: Zur Wirtschaft- und Sozialgeschichte der Amtsstadt Vaihingen an der Enz bis zum Dreißigjährigen Krieg (in: ZWLG, Bd. 38, 1979) nennt auf S. 119, 125 und 127 als mutmaßlichen Sohn des Vogts einen Claus Mager, der 1523 Ratsmitglied war und der 1545 2150 Gulden versteuerte, also fast so viel wie der Vogt Trutwin Mager im Jahr 1470. Zu diesem Clas Mager siehe NWDB §§ 1424 und 1490. In der Generation vor dem Vogt (nämlich als Vater von Clara Mager d. Ä., * um 1435/39, + 1525) nennt die Ahnenliste Hegel auf S. 266 unter Nr. 8050 den Richter und Ratsherrn Ulrich Mager in Vaihingen a. d. Enz.

Treutwin Mager ist übrigens - ergänzend zu Pfeilsticker - schon 1462 als Schultheiß in Vaihingen nachgewiesen, siehe WR 14301 (im Urkundentext, Zeile 4-5): http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-40701.

 

Am 16. Oktober 2021 fand die 98. Jahresversammlung statt, und zwar für die Mehrzahl der Teilnehmer in Präsenz im Landeskirchlichen Archiv in Stuttgart und für weiteren Teilnehmer online als Zoom-Sitzung.  Für geheime Abstimmungen stand die Zoom-Funktion "Umfragen" (mit der Option "anonym") zur Verfügung.

Im Grundbuchzentralarchiv Kornwestheim ist bis zum 10. Dezember 2021 die Ausstellung zu "200 Jahre Landesvermessung" (Link mit näheren Angaben) zu sehen. Sie zeigt Objekte aus dem 19. Jahrhundert und verschiedene Tafeln zur Entwicklung der Landesvermessung.

Nach mehrjähriger intensiver Arbeit wird das Ortsfamilienbuch Herrenberg demnächst erscheinen. Der Shop hierzu ist ab jetzt geöffnet. Sie können Ihr Kundenkonto anlegen und die verbindliche Bestellung (gegen Vorauskasse) aufgeben. Die Auslieferung erfolgt nach Bezahlung der Rechnung, jedoch voraussichtlich frühestens Ende Oktober 2021.

Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft genealogischer Verbände e.v. (DAGV), unser Dachverband, hat auf der Mitgliederversammlung am 12. September 2021 bekanntgegeben, dass sie unsem Mitglied Prof. Dr. Burkhart Oertel für seine Verdienste auf dem Gebiet der Genealogie die Johann Christoph Gatterer-Medaille in Bronze verleiht. Herzlichen Glückwunsch für diese Auszeichnung!

Aus unseren Beständen an Publikationen bieten wir bis zum Jahresende 2021 ein Kontingent zum halben Preis an:

SWDQ 1: „Die Musterungslisten der Stadt Reutlingen“

SWDA 2: „Die Ahnen des Dichters Wilhelm Waiblinger“

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